HONGi Interview: Gedanken als Medizin? Denke dich gesund mit Doktor Täuber

Lesedauer: ca. 7 Minuten

Mentales Training und die Kraft der Gedanken sind aktuell so richtig “in”. Doch Marcus Täuber, promovierter Neurobiologe, Bestsellerautor, Speaker, Trainer und Leiter des Instituts für mentale Erfolgsstrategien beweist, dass es dabei um viel mehr geht, als nur um eine Modeerscheinung.

Wie viel wir durch die Kraft der Gedanken tatsächlich bewegen können, hat Marcus Täuber bereits in mehreren Büchern zusammengefasst. Alles basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Seine Trainings zeigen tausenden Menschen neue Perspektiven auf – beruflich sowie persönlich. Seine Strategien erzielen rasante und langfristige Ergebnisse. Kein Wunder also, dass er bei bekannten Unternehmen, Künstlern und Sportlern ganz oben auf der Liste steht, wenn sie “mehr aus ihrem Gehirn rausholen wollen,” wie auf der Seite des Instituts für mentale Erfolgsstrategien steht. 

In seinem neuesten Buch “Gedanken als Medizin” beschäftigt sich Marcus Täuber mit den Selbstheilungskräften, die wir alle in uns tragen. Wie wir sie richtig aktivieren und einsetzen können, verrät uns Doktor Täuber in unserem aktuellen HONGi Interview.

 

HONGi: Herr Dr. Täuber. Was ist die Vorgeschichte zum Buch „Gedanken als Medizin“? Wieso haben Sie beschlossen, dieses Buch zu schreiben?

Dr. Marcus Täuber: In unseren Gedanken steckt ein gewaltiges Potenzial für alle Bereiche unseres Lebens, auch für Gesundheit. Ich möchte dieses Thema aus dem „esoterischen Eck“ mit dem Ziel herausholen, dass möglichst viele Menschen diese Kraft für sich entdecken.

Vor einigen Jahren hatte ich Reizdarm, Rückenschmerzen, und dann hat mich auch noch ein Tinnitus heimgesucht. Ich beschloss: So kann es nicht weitergehen. Und ich begann mich speziell damit zu beschäftigen, wie mentales Training hier helfen kann. Mit dem Ergebnis, dass Reizdarm, Rückenschmerzen und auch der Tinnitus ganz weg sind.

 

Würden Sie Ihr Buch als eine gewisse Chance für gesündere Gesellschaft sehen?

Absolut, richtiges Denken gehört genauso zu einem gesunden Lebensstil, wie eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung. Meditieren, Visualisieren und ein starkes Selbstbild sind so ungemein wichtig, dass diese Themen genauso auf den Stundenplan in Schulen gehören wie Turnen. Ich wünsche mir endlich eine Bildungspolitik, durch die Menschen zu mehr Eigenverantwortung für ihre Gesundheit und ihr Leben finden.  

 

Wie erklären Sie die Wirkung der Gedanken auf unsere Gesundheit?

Unser Gehirn ist eng mit Immunabwehr, Entzündungen, Hormonhaushalt und Muskelspannungen verwoben. Aus dem Kopf gibt es zwei Arten von Wirkung auf den Körper: Die Beeinflussung über Entspannung und Stress. Die ist bereits sehr gut bekannt. Und dann die eigentliche Sensation aus der Forschung: Und zwar, dass auch die Inhalte von Gedanken, also die Bilder, wirken. Und zwar sehr spezifisch. Zum Beispiel wenn uns suggeriert wird, eine Gummihand-Attrappe wäre nun unsere Hand, dann beginnt das Immunsystem gegen unsere eigene echte Hand Abstoßungsreaktionen einzuleiten. Und das innerhalb weniger Minuten. Anderes Beispiel: Wenn bei Diabetikern die Uhr manipuliert wird und diese, ohne dass sie es wissen, doppelt so schnell läuft, sackt auch der Blutzuckerspiegel schneller ab. Unser Denken, unsere Erwartung und unsere Wahrnehmung verändern unsere Physiologie. 

 

Welche Rolle spielen dabei die Angst, anerzogene Denkweisen oder Lernprozesse aus der Kindheit?

Gedanken-als-Medizin-TäuberEmotionen sind in unserem Kopf abgespeichert, und werden immer wieder durch Gedanken, seien es Worte oder Bilder, aktiviert. Dadurch leben wir viel zu oft in der belastenden Vergangenheit, statt in der erfüllenden Gegenwart. Denken wir nur, über wie viele Stunden uns ein Autofahrer noch im Kopf ärgern kann, der uns morgens auf dem Weg zur Arbeit geschnitten hat.

Es ist empfehlenswert, dass wir vor allem eine Emotion sehr intensiv trainieren, die für unsere Gesundheit extrem wichtig ist. Viele sind erstaunt, weil sie vielleicht jetzt an Glück denken, aber noch wichtiger ist der innere Frieden, die Ruhe im Kopf. Seine Heiligkeit der XIV. Dalai Lama hat für das Buch „Gedanken als Medizin“ eine Empfehlung beigesteuert, die zum gleichen Ergebnis kommt. Es ist spannend, wie hier Wissenschaft und Spiritualität sich treffen.

 

Können wir mit der Kraft der Gedanken auch schwere Krankheiten besiegen?

Mein Motto ist: Doppelt heilt besser. Ich würde mich nie nur auf die Gedanken verlassen, sondern immer auch von den Errungenschaften der modernen Medizin profitieren wollen. Und da gilt: Gedanken können einen wichtigen Beitrag leisten. Allerdings können wir unsere Selbstheilung nicht erzwingen oder wie auf Knopfdruck einschalten. Was wir können: Den richtigen Rahmen schaffen, damit das Gehirn unseren Körper bestmöglich unterstützt. Es gilt also, nicht alles ist möglich. Aber weit mehr, als wir (im wahrsten Sinne des Wortes) denken.

 

Viele Mediziner behaupten, dass es gerade bei Krebs keine Persönlichkeitstypen oder Charaktere gibt, die diese Krankheiten „begünstigen“ würden. Wie sehen Sie das?

Das Thema wird tatsächlich sehr kontrovers diskutiert. Die Mehrheit der Menschen glaubt, dass Stress Krebs auslösen kann. Die Wissenschaft hat dazu keine eindeutigen Ergebnisse und ist hier zurückhaltender. Wir brauchen dazu mehr Studien.

 

Haben Sie nicht die Angst, dass Ihre Leser eine gewisse „Selbstverantwortung“ für ihre Krankheiten spüren und gerade durch den Druck, der dadurch entsteht, sich selbst „heilen zu müssen“, sich eher kränker machen, als heilende Gedanken zu entwickeln? Was würden Sie raten, damit dies nicht passiert?

Ja, Druck und Wille sind kontraproduktiv. Darum bin ich auch ein Gegner des trivialen positiven Denkens à la „Du kannst alles, was Du willst“ oder von „Bestellungen beim Universum“. Abgesehen von dem pseudowissenschaftlichen Unsinn in diesen Konzepten sehe ich die Gefahr, dass man sich bei Krankheiten schuldig fühlt.

Die Botschaft in „Gedanken als Medizin“ soll daher ganz bewusst eine positive sein. Was ich den Menschen sagen möchte, ist: Du kannst Herr/Frau über Deine Gedanken werden und so etwas Gutes für Dich tun. Es geht um Lebensqualität. Nichts muss, alles darf. Wenn dadurch auch die Gesundheit gefördert und verbessert wird – umso besser!  

 

Selbstheilung wird oft von vielen noch belächelt. Denken Sie, dass alternative Methoden der Heilung irgendwann richtig anerkannt werden und auch in unserer Gesellschaft damit verbundene Methoden vom Arzt verschrieben werden, ähnlich wie „normale“ Medikamente?

Die Gratwanderung zwischen Wissenschaft und Humbug ist eine sehr enge. Auch Mediziner setzen teilweise auf Methoden, die auf dem Placebo-Effekt beruhen. Bachblüten, Homöopathie, Kinesiologie. Umgekehrt ist nicht alles Hokuspokus, nur weil es noch nicht auf dem Lehrplan der Medizin-Universitäten ist. Ich denke, man sollte alles wissenschaftlich prüfen. Und anhand der Ergebnisse dann entscheiden. Auf dieser Grundlage hat Meditation seinen Siegeszug angetreten. In den 70er Jahren gab es ein paar Wissenschaftler, wie Herbert Benson oder Jon Kabbat-Zinn, die als Exoten auf den Hochschulen galten. Durch ihren Mut und ihr Engagement wurde Meditation wissenschaftlich untersucht. Heute zweifelt keiner mehr daran, dass Meditation wirkt.

 

Es gibt bereits zahlreiche Studien, die die Wirkung von Gedanken und Vorstellungen bestätigen. Was denken Sie, warum so viele Menschen dem trotzdem noch so kritisch gegenüberstehen?

Unsere Alltagserfahrung sagt uns auch, dass schwere Körper schneller zu Boden fallen als leichtere. Beispiel: Eine Kastanie fällt schneller als ein Blatt. Galileo Galilei hat begonnen, unsere Intuition zu hinterfragen und stattdessen in Experimenten zu messen. Dank ihm wissen wir nun, dass nur der Luftwiderstand den Unterschied macht.

Ähnlich ist es mit Gedanken. Die meisten Menschen halten Gedanken für etwas nicht Greifbares, wie Luft. Man merkt sie, sieht sie aber nicht wie einen Apfel auf dem Esstisch. Wenn man Gedanken als Funktion des Gehirns versteht, mit Nervenzell-Aktivitäten, wird klar: Da oben fließt Strom, da oben gibt es jede Menge Chemie. Und dieser Strom und diese Chemie macht nicht beim Hals halt, sondern zieht als Information in den Körper.

 

In „Gedanken als Medizin“ stellen Sie eine Meditation zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte vor. Wie wirkt diese und was steckt dahinter?

Gedanken-als-Medizin-TäuberDie GAM-Meditation stellt eine praktische Art Zusammenfassung des Buches dar. Wobei ich explizit betonen möchte: Sie ist ein Weg unter vielen, und erhebt nicht den Anspruch, dass nur sie die Selbstheilung aktiviert.

Drei Schritte sind in der GAM-Meditation wesentlich: Entspannung, Visualisierung und die Spiritualität. Sie beruht auf Wahrnehmung, Akzeptanz und Lösung. Bei meinem Tinnitus war das so: Ich habe zunächst bewusst wahrgenommen, ohne zu bewerten. Also Tonhöhe, Lautstärke, hab dem Pfeifen auch eine Farbe gegeben. Dadurch entsteht Akzeptanz, die Emotion löst sich und das Problem wird beweglich. Im nächsten Schritt habe ich mir eine Lösung vorgestellt. Zunächst habe ich weiße Farbe in Gedanken über die pfeifende Stelle im Ohr gemalt. Die Farbe weiß ist gelernt für Heilung und Reinigung. Und dann habe ich mir mein Ohr als Lautsprecher einer Stereoanlage vorgestellt, und diese am Regler immer leiser gedreht.   

Der Ton ging weg, kam aber wieder. Ich habe die Übung gemacht. Der Ton ging weg, kam aber wieder. Ich habe die Übung gemacht. Der Ton ging weg, kam aber wieder. Ich habe die Übung gemacht… Das ging über Monate. Aber der Ton wurde immer leiser, kam immer seltener, bis er irgendwann ganz ausblieb.

 

Meditation, Hypnose und Mentaltraining werden immer moderner. Wie findet man „das Richtige“ für sich? Welchen Weg soll man gehen? Kann man auch einen falschen Weg gehen und sich selbst dabei schaden? Was würden Sie unseren Lesern empfehlen? Worauf sollten sie achten?

Natürlich kann man einen falschen Weg einschlagen. Ich kann auch zum falschen Arzt gehen, den falschen Computer kaufen oder den falschen Job ergreifen. Ich würde nicht nur darauf schauen, ob der Coach, Therapeut oder Trainer sympathisch ist, sondern ob er auch was auf dem Kasten hat. Da hilft lästiges Fragen. Ich persönlich würde keine Zeit und Geld für etwas ausgeben, wo der Inhalt nicht wissenschaftlich fundiert ist.

 

In dieser schweren Zeit – wie können wir die Kraft der Gedanken für uns „nützen“, damit wir mit dem Social Distancing und damit zusammenhängenden depressiven Stimmungen besser zurechtkommen?

Ich würde zunächst einmal die Zeit nicht als schwer ansehen. Wir sind bei Vollverpflegung mit Medien und Internet daheim. Das ist kein Vergleich mit dem, was Kriegsgenerationen erleiden mussten. Natürlich verstehe ich die wirtschaftlichen Sorgen, denn Friseure können ja nicht auf online umstellen.

Wir sollten uns auf das fokussieren, was wir jetzt tun können. Uns Ziele setzen, den Tag strukturieren und auf virtuelle Kontakte setzen. Auch diese erhöhen das Bindungshormon Oxytozin. 

Wirklich nicht gut geht es den Menschen in Alten- und Pflegeheimen, die oftmals nicht verstehen können, warum die Verwandten nicht mehr kommen. Auch fehlende Therapien, die auf Berührung und Nähe setzen, tragen hier nicht zur Gesundheit bei. Ich fürchte, dass die aktuellen Maßnahmen Brandbeschleuniger für Demenz und Depression bei Älteren sind. Hier muss man sich dringend was einfallen lassen, wie Besuche und Physiotherapien in eigenen Räumen mit Desinfektion und FFP3-Masken.

 

Glauben Sie, dass Ihr Buch gerade jetzt, in der Coronakrise, für andere hilfreich sein könnte? Können wir so weit gehen, dass wir sagen, man kann mit der richtigen Denkweise vielleicht sogar solche Katastrophen, wie eine Pandemie, vorbeugen? Oder ist das schon eine sehr mutige Behauptung?

Die Coronakrise erinnert uns daran, dass wir verwundbar sind. Hand aufs Herz: Jeder zweite von uns wird mit der Diagnose Krebs konfrontiert werden, jeder vierte an Krebs sterben. Es ist wichtig, Krankheit, Leid und Tod nicht zu verdrängen, sondern sich mit der Realität zu versöhnen. Denn das Leben ist tödlich – zu 100%. 

Aber ja, eine starke Psyche bedingt auch ein starkes Immunsystem. Wenn man die täglichen Zahlen zu den Corona-Infektionen und Toten zu Entspannungsübungen und Tipps für mentale Stärke im Fernsehprogramm abwägt, ist der Unterschied vermutlich so groß wie zwischen einem Kieselstein und dem Schneeberg. Nicht alles, was unser Gehirn auch gerne sieht, ist gut. Das ist wie mit Fett und Zucker. Das, was wir wollen, ist nicht immer das, was wir brauchen.

 

Vielen Dank für das Interview und alles Gute!

 

Hat dich unser Interview inspiriert? Möchtest du mehr über die Kraft der Gedanken erfahren? Dann verpasse nicht unser Gewinnspiel! Am Montag, den 4. Mai 2020, kannst du eines der drei Bücher “Gedanken als Medizin” von Dr. Marcus Täuber gewinnen. Was du dafür tun musst, erfährst du in unserem Gewinnspiel-Posting auf Facebook oder Instagram

 

Text: HONGi / Bilder: Karolina Grabowska, Weinwurm und Goldegg Verlag

 

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