Kampf der Mütter: So wirst du ihn bestimmt gewinnen

Lesedauer: ca. 7 Minuten

Germany’s next topmodel? Deutsche Bundesliga? Weltmeisterschaft im Boxen? Alles nur Kinderkram im Vergleich zu dem größten, längsten und härtesten Wettbewerb aller Zeiten: Dem Kampf der Mütter!

Es ist auch irgendwie logisch. Mutterinstinkt ist tief in uns verankert und verursacht, dass Mütter bereit sind, um das Wohl ihrer Kinder wie Löwinnen zu kämpfen. Doch während früher zum “Wohl des Kindes” vor allem genügend Nahrung und sicheres Leben gehört haben, sind wir heute schon einige Levels weiter.

Ein warmes Bettchen und eine leckere Mahlzeit reichen nicht. Das Bettchen muss Bettwäsche aus reiner Baumwolle, hergestellt nach Öko-Tex Standard, bieten und am Besten Richtung Norden und weg vom Fenster stehen. Und die Mahlzeit muss alle wichtigen Nährstoffe beinhalten, von glücklichen Bauern geliefert und in einem Dampfgarer schonend zubereitet werden. Wie bitte? Du siehst es nicht so eng? Sag das lieber nicht zu laut…

 

Bio, öko, genfrei

Irgendwie war es früher auch leichter. Kinder haben bekommen, was die Natur hergab und seien wir mal ehrlich: Die Natur wusste ganz genau, was wir brauchen. Gemüse und Obst waren nährstoffreich und lecker, ohne mit Chemikalien gespritzt zu werden. Wir aßen regional, saisonal und hörten auf unsere Körper. Es passierte alles automatisch. 

Muttertag-MutterHeutzutage sehen Erdbeeren im März in einem Supermarkt einfach nur perfekt aus: Groß, rot, verführerisch. Beißt du rein, schmecken sie oft nach Wasser und riechen nach – gar nichts. All die perfekten Äpfel, Gurken und Bananen sind zwar ein Fest fürs Auge. Doch umso weniger erfreulich für unsere Geschmacksnerven… Kein Wunder also, dass sich viele fragen: Was essen wir da eigentlich? Und sobald unsere Kinder das Licht der Welt erblicken und wir ihnen nur noch das Beste bieten wollen, machen wir uns auf die Suche: “Wo finde ich die richtigen Äpfel? Solche, wie damals bei meiner Oma. Ich habe sie ganz frisch vom Baum gepflückt und direkt gegessen.”

Ausgewogene Ernährung ist heute einfach nicht mehr genug. Auf die Herkunft kommt es an. Und dann werden noch viele Lebensmittel gestrichen: Kein Zucker, kein Weizenmehl mehr und am besten auch nur pflanzliche Fette. Eier von glücklichen Hühnern, Milch von einer Kuh aus den Alpen (oder doch lieber Mandelmilch) und Fleisch? Da scheiden sich die Geister.

Kommst du mit deinen Kindern auf einen Spielplatz, hast du schon fast Angst, eine Brezel auszupacken. Was? Du hast sie auch noch gekauft? Geh lieber hinter den nächsten Baum und füttere dein Kind heimlich… Möchtest du im Essenswettbewerb der Mütter einen der ersten Plätze belegen, musst du mit selbstgemachten Müsliriegeln – natürlich bio, öko und genfrei – auftauchen. Nein! Die Bio-Dinkelkekse sind nicht gut genug. Hast du schon mal gesehen, wie viel Zucker da drin steckt?

Regel Nummer eins lautet: Du bist eine tolle Mama, auch wenn dein Kind nicht jeden Tag die perfekte Öko-Bio-Mahlzeit bekommt. Ist dein Baby ein Flaschenkind? Kochst du nicht gerne? Gibt es öfters eine Leberkässemmel? Mach dir nicht zu viele Sorgen! Dann nimmst du an diesem Wettbewerb einfach nicht teil. Wenn gesunde Ernährung diskutiert wird, kannst du ganz dringend etwas anderes zu tun haben – oder einfach nur leise da stehen und nicken. Am besten ganz ohne Diskussionen.

 

Durchschlafen 

Wir sind nicht alle die besten Köchinnen, manche von uns meiden die eigene Küche wie ein Teufel die Kirche und viele kaufen heimlich die Tomaten aus Spanien, die niemals “unsere” Bio-Standards erreichen können. Deshalb widmen wir uns einem anderen Thema. Ein neues Schlachtfeld muss her. Und wo kämpft es sich besser, als im eigenen Bett? 

Kategorien auf diesem Gebiet sind:

  • durchschlafen
  • im eigenen Bett schlafen 

und dann noch die Kategorie, die in eine komplett andere Richtung geht: 

Welche Kategorie du für dich entscheiden kannst, liegt ganz bei dir. Gar nicht an dem Schlafverhalten der Kinder. Nein! Es liegt nur an dir und der Art, wie du die Schlafgewohnheiten deiner Kinder präsentierst.

Schauen wir uns die Kategorie “Durchschlafen” an: Eine Gruppe Mütter, teils mit tief dunklen Augenringen, steht neben der Sandkiste im Kreis. Während ihre Kleinkinder fleißig den Sand von einer Schaufel schlecken, reden die (gähnenden) Mütter über die Nächte mit ihren Kindern. Dabei gibt es nur zwei “Sorten”: Die “Ich-bin-dauernd-so-unausgeschlafen-Mamas” und die “Mein-Kind-schläft-schon-seit-immer-durch-Mamas”. Die müden Gestalten schauen ungläubig den fitten Mamas zu und hören mit offenem Mund zu: Was? Deiner hat schon mit 3 Monaten 8 Stunden am Stück geschlafen? Wie? Du hast deine Tochter wecken müssen, damit sie nachts trinkt? Ernsthaft? Deine Zwillinge stehen immer erst um neun auf? Wirklich? Dein einjähriger WILL schon in seinem eigenen Bett ganz alleine schlafen?

Die erholten Mamas genießen diese Aufmerksamkeit, während sie im Spiegelbild ihres Handys heimlich nachschauen, ob ihre Augenringe noch immer gut überdeckt sind und mit zittriger Hand den siebten Kaffee in sich reinkippen. Wenn keiner zuschaut – versteht sich! 

Regel Nummer zwei lautet also: Glaube niemals an Kinder, die die Nächte durchschlafen und das auch noch freiwillig in ihren eigenen Betten. Vor allem, wenn es Kinder unter 3 Jahren sind und sie angeblich wirklich JEDE Nacht komplett durchschlafen! In den meisten Fällen handelt es sich um einen Mythos und die drei Male, die das Kind doch aufgewacht ist, werden entweder ignoriert, oder verdrängt, oder die Mama liegt im “Mutter-Koma” und bekommt es gar nicht mit. (Bei diesem sogenannten “Mutter-Koma” handelt es sich um einen Zustand, bei dem die Mama so erschöpft ist, dass sie abends ins Bett fällt und morgens überrascht aufwacht ohne zu wissen, was nachts los war.) 

Manche erwidern jetzt ganz bestimmt: Es gibt sie! Diese Kinder, die durchschlafen. Ja, es gibt vereinzelt solche Exemplare, aber ihre Eltern erkennst du sehr schnell daran, dass sie nicht besonders viel darüber reden und einfach nur lächeln. Ganz unter dem Motto “ein Gentleman und eine Lady genießen und schweigen.” Man will ja nicht riskieren, dass man es verschreit. Deshalb wird nicht laut darüber geredet, wenn ein Kind WIRKLICH durchschläft. Zur Sicherheit.

Und Kinder, die abends sogar alleine einschlafen und in ihrem Bett die ganze Nacht verbringen? Man sagt, es gibt sie auch. Aber man glaubt schließlich auch an Aliens und Bigfoot… 

Damit sind wir aber noch nicht fertig. Natürlich gibt es auch hier den Gegenwind: Das Familienbett. Von manchen gefürchtet, von anderen geliebt. Ganze Familie schön unter einer Decke? Klingt idyllisch. Doch nur, so lange du wirklich in ein Oversize-Bett investiert hast. Gleicht es einem Flughafen, kann so ein Familienbett wirklich eine tolle Sache sein und für viele ruhige Nächte sorgen. Schläft ihr aber zu viert auf einem Meter sechzig, wirst du eher mit blauen Flecken auf dem ganzen Körper aufwachen und dich täglich fragen, wessen Fußabdrücke du heute im Gesicht hast. 

 

Spielzeug ist kein Kinderzeug

Wer hätte das gedacht. Sogar bei Spielzeug und Unterhaltung für Kinder kannst du schnell in der “falschen Schublade” landen. Beginnend schon mit der Anzahl der Spielsachen bilden sich die ersten zwei Gruppen. Die “Mein Kind bekommt alles”-Gruppe und die “Weniger ist mehr”-Gruppe. Beide haben gute Argumente auf Lager: “Ich hatte als Kind gar nichts und leide jetzt unter Kaufsucht. Deshalb bekommt mein Kind alles, damit es später keine Lücken mit unnötigen Einkäufen füllen muss.” Dann ist hier die Gruppe der Mütter, die die Fantasie ihrer Kinder fördern wollen. Und dies geht nur, wenn ein Kind nicht all zu viel Spielzeug hat. Manchmal reicht eine alte Box und zwei Autos, damit Kinder stundenlang zufrieden spielen.

Dann haben wir wieder die Gesundheitsfrage. Ja, die kann man sich auch beim Spielzeug stellen! Beginnend mit Schadstoffen und Materialien, bis zur Qualität der Verarbeitung. Denn keiner will, dass das eigene Kind körperliche oder geistige Schäden vom eigenen Spielzeug davonträgt. Apropos Schäden! Bei manchen Spielzeugen, die Geräusche und Musik erzeugen, sollte eine Warnung stehen: “Nach 20 Mal hintereinander hören kann sich das Spielzeug auf die geistige Gesundheit der Eltern auswirken!” Wäre bestimmt hilfreich. 

Wenn du in der Kategorie “gesundes Spielzeug” siegen willst, brauchst du also ein Holzspielzeug (bloß kein Plastik!), bemalt mit geprüften Schadstoffen, ohne scharfe Kanten und ohne Kleinteile, die dein Kind verschlucken könnte. 

Hast du die richtige Menge und Qualität deiner Spielzeuge im Griff, kommt noch die wichtige Frage: Ist das Spielzeug auch pädagogisch wertvoll? Dein Kind soll doch nicht nur spielen, sondern laufend etwas Neues lernen und ganz ehrlich? Von einem violetten Krokodil in einem Rock, das mit einem rosa Pferd befreundet ist, wird dein Kind nichts lernen. Oder? Denn es gibt keine violetten Krokos, die Röcke tragen, keine rosa Pferde und schon gar keine Freundschaft zwischen den beiden. Findest du nicht? Willst du deinem Kind also nur pädagogisch wertvolle Spielzeuge bieten, musst du zu Montessori Sachen greifen, oder selbst basteln. Das Internet ist voll von geeigneten Spielsachen auf diesem Gebiet.

Zum Thema Spielen und Unterhaltung gehören auch TV, Tablet und Co. Das Streitthema schlechthin! Ab wann dürfen die Kinder fernschauen? Wie lange und vor allem was? Auch hier soll das Kind etwas lernen! Und bloß keine schlechten Vorbilder. Bedient sich die Sendung eines Klischees (Mädchen als Prinzessinnen und Jungs als Piraten)? Ist es zu chaotisch? Wird darin gekämpft? Und welche Sprachen sprechen die Hauptfiguren? Lehrreiche Sendungen in einer Fremdsprache sind aber noch lange kein Grund, dein Kind jeden Tag vor die “Glotze” zu setzen. Lieber ein Handy oder ein Tablet in die Hand? Sehr umstritten. Denn die Frage aller Fragen ist und bleibt: Wozu braucht dein Kind überhaupt Medien, wenn man basteln, malen und draußen herumlaufen kann? 

Regel Nummer drei lautet: Bei diesem Thema gaaaanz vorsichtig sein. Kennst du den Standpunkt der anderen Mütter, kannst du lieber erstmal zuhören, bevor du von eurer Kino-Session jeden Abend erzählst. Und zu den anderen Spielzeugen musst du dich auch nicht rechtfertigen. Spielsachen sollen auch nur Spaß machen dürfen, ohne jeglichen pädagogischen Hintergrund. 

 

Internet – die gefährliche Welt

Nein, diesmal geht es nicht um die Gefahren, die auf Kinder im Internet lauern. Diesmal wollen wir dich – die Mutter – schützen! Denn wenn du beginnst, im Internet zu lesen, was das Beste für deine Kinder ist, kann das nur böse enden. Egal, wie viel du liest und wie perfekt du wirst, es wird nie genug sein! In verschiedenen Foren wirst du darüber aufgeklärt, dass du alles falsch machst. Beginnend schon mit einer Kaiserschnittgeburt, gefolgt von gekaufter Babynahrung, klassischer Kleidung ohne Bio-Baumwolle, endend mit deinem Erziehungsstil. Wie bitte? Man darf heute nicht mehr “Erziehung” sagen? OK, dann mit einer liebevollen Begleitung…

Regel Nummer vier: Vergiss es einfach. Hör auf, dich zu vergleichen. Versuche nicht mehr, nach Perfektion zu streben, denn du bist bereits perfekt. Genau so, wie du bist. Für dein Kind bist du die beste Mama der Welt. Du musst keine Babynahrung selbst pürieren, du kannst gerne süße Palatschinken aus Weißmehl zum Frühstück servieren und deine Tochter von Kopf bis Fuß in rosa Prinzessinnen-Outfits kleiden. Nur eine Sache zählt: Dass es dir und deinen Kindern dabei gut geht. Dass du zufrieden bist und auf dein Bauchgefühl hörst. Besser, du kümmerst dich um dein Kind so, wie es dir passt und bleibst dabei entspannt, anstatt jeden Tag komplett gestresst zu versuchen, perfekt sein zu wollen. Denn für dein Kind zählt nur eines: Dass du es liebst und in den Arm nimmst. Alles andere ist unwichtig!

 

Einen wunderschönen Muttertag wünscht deine HONGi-Redaktion.

 

Text: HONGi / Bilder: Pixabay, Trang Doan, Daria Obymaha. 

 

Bist du bereit für dein neues Schlaferlebnis?

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