Das chinesische Mondfest

Lesedauer: ca. 7 Minuten

Färbt sich das Laub bunt und zieht langsam die kühle Jahreszeit ins Land, ist es alljährlich an der Zeit, „danke“ zu sagen: Denn Herbstzeit ist Erntedankzeit!

Überall erblickt man dieser Tage Kürbisse, Getreide, Weintrauben und andere Feldfrüchte. Am Programm stehen oft feierliche Ernteumzüge, ausgelassene Kirtage und die Anfertigung aufwendiger Erntekronen. Anderswo auf der Welt drückt man seinen Dank allerdings auf ganz andere Weise aus – die alte Weisheit „andere Länder, andere Sitten“ bewahrheitet sich auch hier. Steht bei uns der Dank für die geglückte Ernte landwirtschaftlicher Produkte im Vordergrund, dankt man zum amerikanischen „Thanksgiving“ beispielsweise ganz allgemein für alles Gute des vergangenen Jahres.

Geradezu magisch angezogen hat uns heuer allerdings das chinesische Erntedankfest. Dort ehrt man dieser Tage nämlich einen alten Bekannten, der auch für uns Faultierschläfer Nacht für Nacht eine wichtige Rolle spielt: Den Mond!

Das sogenannte „Mondfest“ wird in China heuer am Donnerstag, den 1. Oktober 2020, gefeiert. „Fröhliches Mondfest!“, das lassen wir Schlafliebhaber uns natürlich nicht zweimal sagen! Doch was genau hat der Mond mit Erntedank zu tun? Wieso dankt man ihm? Und wie dankt man ihm?

Wir haben uns auf die Suche nach Antworten gemacht – und durften dabei spannende Entdeckungen rund um eine jahrtausendealte, chinesische Tradition machen. Doch keine Sorge: Wir schießen dich hier nicht direkt auf den Mond, sondern nehmen dich mit auf einen spannenden Kurztrip im Mondschein, direkt nach China.

Was ist das “Mondfest”?

Im Herbst, zur Zeit des Erntedankfestes, wird in China das „Zhongqiujie“ gefeiert, übersetzt: Das „Mondfest“. Auch die Bezeichnung „Mittherbstfest“ ist für diesen Anlass üblich.

An diesem Tag ehrt man in China den Mond und dankt für die gute Ernte. Die Familie steht bei diesem Fest klar im Vordergrund: Man findet sich zu Familientreffen ein und bestaunt den an diesem Abend – so heißt es – besonders hell strahlenden Vollmond. Absolut unverzichtbar sind hier die sogenannten „Mooncakes“. Eine kulinarische Spezialität, die im Familienkreis geteilt und gemeinsam gegessen wird.

Heute gilt das Mondfest, oder Mittherbstfest, neben dem berühmten Frühlingsfest (Chinesisches Neujahr) als das zweitwichtigste Fest Chinas. Im Jahr 2006 wurde es in die Liste des nationalen immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.

Zwar liegen die Ursprünge des Festes in China, doch wird es auch von den umliegenden Nachbarn gerne begangen: Sowohl in Vietnam, als auch in Südkorea und Japan sind beispielsweise vergleichbare „Mondfeste“ üblich.

 

Wann wird gefeiert?

Das Mondfest wird immer am 15. Tag nach dem 8. Mondmonat des chinesischen Kalenders gefeiert. Mag diese Terminfindung aufs Erste auch recht abenteuerlich klingen, so ist der Zeitpunkt doch sehr überlegt gewählt:

  1. Die Mitte des Herbstes
    Laut dem chinesischen Kalender ist der 8. Mondmonat der zweite Monat des Herbstes. Da die vier Jahreszeiten immer ca. 3 Monate zu jeweils etwa 30 Tagen andauern, bildet der 15. Tag des 8. Monats exakt die „Mitte des Herbstes“.
  2. Der Vollmond
    Am 15. Tag jedes Mondmonats ist Vollmond: Der Mond steht in voller Größe am Himmel und verströmt besonders helles, geradezu magisches Licht. Der „Erntemond“ zum Mittherbstfest gilt traditionell als der größte des gesamten Jahres.
  3. Der Erntedank
    Im Zeitraum um den 15. Tag des 8. Monats gedeiht der Reis üblicherweise besonders üppig, sodass die Ernte sehr ertragreich ausfällt. Auch dieser glückliche Umstand wird dem Mond zugeschrieben – man dankt ihm zu diesem Anlass für die geglückte Ernte.

Mondmagie…

In China gilt der Vollmond als Zeichen des Friedens und des Wohlstandes. Seine runde, pralle Form steht überdies für Ganzheit, Wiedervereinigung und Zusammenhalt. Allesamt Werte, die besonders für Familien sehr wichtig sind.

Zudem wird der Zahl 8 in der chinesischen Kultur große Bedeutung beigemessen: Sie steht symbolisch für Reichtum und Wohlstand.

Die Kombination aus Vollmond und der Zahl 8 gilt daher als besonders glückbringend – der Zeitpunkt, zu welchem das Mondfest stattfindet, könnte also bedeutender nicht sein: In der Mitte des 8. Monats, wenn der Mond laut traditionellem chinesischen Kalender voll ist.

Mond Mondfest Vollmond

Wie alles begann…

Früheste Aufzeichnungen belegen, dass die chinesischen Kaiser seit jeher Sonne und Mond verehrten: Sie waren davon überzeugt, die beiden Himmelskörper seien alleinig für das Universum verantwortlich – so auch für die jährlichen Ernteerträge, von welcher die Dynastien stark abhängig waren.

Schon im Altertum war es deshalb Brauch, im Frühling und im Herbst Opferzeremonien für eine gute Ernte abzuhalten: Im Frühjahr dankte man dem Gott der Sonne, im Herbst der Göttin des Mondes. Das Wort „Mittherbst“ – wie das Mondfest auch heute noch genannt wird – findet sich bereits in Aufzeichnungen aus der frühen Zhou-Dynastie (1046 – 256 v. Chr.).

Später begannen auch Adelige, Literaten, sowie das „gemeine Volk“ – gemäß dem kaiserlichen Vorbild – den hellen Mond, insbesondere im Herbst, zu bewundern. Während der Tang-Dynastie (618–907), sowie der Ming- und Qing-Dynastie (1368–1911), entwickelte sich das Mondfest schließlich zu einem der wichtigsten chinesischen Feste – und sollte es bis heute bleiben.

Programm zum Mondfest

Im Laufe der Zeit ist eine Vielzahl an verschiedenen Traditionen rund um das Mondfest entstanden, viele Provinzen etablierten ganz eigene Bräuche zur alljährlichen Huldigung des Vollmondes.

Im privaten Bereich allgemein vordergründig ist die Zusammenkunft der Familie: Jedes Jahr reisen die Menschen anlässlich des Mittherbstfestes aus allen Ecken und Winkeln des Landes – oder sogar von weiter her – zu Familientreffen an, um mit den Verwandten zu feiern. Gemeinsam werden Laternen gebastelt und zur Dekoration aufgestellt. Auch Laternenrätsel sind ein, vor allem bei Kindern, beliebter Brauch: Dabei werden kleine Rätsel auf Laternen angebracht – wer die Lösung findet, darf sich über ein kleines Geschenk freuen. Eine ganz zentrale, wenn nicht die wichtigste Rolle spielt jedoch das gemeinsame Abendessen, im Zuge dessen traditionell der berühmte „Mooncake“ geteilt und „vernascht“ wird.

Öffentlich werden die Feierlichkeiten zum Mondfest vielfach von traditionellen und bedeutungsvollen Zeremonien begleitet, wie Laternenausstellungen, Drachentänzen, Akrobatikvorführungen… Größere, öffentliche Feierlichkeiten sind in vielen Regionen keine Seltenheit. Besonders eindrucksvoll fällt das Mondfest alljährlich beispielsweise in Hongkong aus, inklusive Lichtershow und festlicher Parade.

Bereits seit langem war das Mondfest, bzw. Mittherbstfest auf dem chinesischen Festland ein gesetzlicher Feiertag. Im Jahr 2008 entschied man allerdings, zwei weitere Tage hinzuzuziehen und das Fest auf einen dreitägigen gesetzlichen Feiertag auszuweiten. Viele Familien nutzen diesen „Kurzurlaub“ gerne für Reisen und Ausflüge – berühmte chinesische Sehenswürdigkeiten sind in den Tagen rund ums Mondfest daher oftmals stark überlaufen.

Das Festessen

Die Zusammenkunft der Familie und das gemeinsame Essen sind ein wesentlicher Bestandteil des Mondfestes: Üblicherweise wird in den Abendstunden, wenn der Mond hell am Nachthimmel scheint, im vertrauten Kreis der Familie zu Abend gegessen. Zum einen kommt man zusammen, um Liebe und Wertschätzung füreinander auszudrücken und die Ahnen zu ehren. Zum anderen beruht der Brauch auf dem früheren Glauben, den Mond anzubeten, während man zusammen bei Tisch esse, beschere der Familie Glück und Erfolg.

Neben dem traditionellen Mondkuchen werden auch andere Köstlichkeiten aufgetischt, wie zum Beispiel Weintrauben oder Krabben. In einigen Provinzen reicht man zum Abendessen Flussschnecken: Es heißt, der Genuss dieser Schnecken zu Mittherbst erhelle die Augen.

Sogar Kürbisse – die uns vom heimischen Erntedank bestens bekannt sind – landen anlässlich des chinesischen Mittherbstfestes auf den Tellern, wenngleich die Entstehung dieses Brauchs einen eher traurigen Hintergrund hat: Viele arme Familien konnten sich früher weder die Zubereitung, noch den Kauf von Mondkuchen leisten und griffen deshalb auf Kürbis zurück. Bis heute wird dieser Brauch in manchen Regionen Chinas weitergeführt. Er soll den Essern Gesundheit bescheren.

Ein weiterer bekannter Gast auf den chinesischen Mondfest-Tafeln sind Pomelos, welche zu dieser Jahreszeit gerne verschenkt werden. Ihre rundliche Form soll an den Vollmond erinnern. Auch Grillabende mit Familie, Nachbarn und Freunden werden anlässlich des Mondfestes gerne ausgerichtet.

Der Mondkuchen („Mooncake“)

Kein Mondfest ohne Mondkuchen! Ursprünglich handelte es sich bei „Mooncakes“ um Opfergaben: Die Form der Kuchen sollte an den Vollmond erinnern, gemeinsam mit Früchten und Blumen wurden sie zu Ehren der Mondgöttin geopfert.

Heute ist der „Mooncake“ ein beliebtes traditionelles Gebäck, welches anlässlich des Mondfestes verschenkt und gegessen wird. Er steht symbolisch für Glück und Zusammenkunft: Die Verwandten kommen zusammen, um im vertrauten Familienkreis den Mondkuchen zu teilen und zu verspeisen, während man gemeinsam den Vollmond bewundert. Der ganzen Familie soll dadurch Glück und eine reiche Ernte beschert werden.

Der traditionelle Mondkuchen ist rund, hat einen Durchmesser von ca. 10 cm und eine Höhe von ca. 5 cm. Der zarte Teig umhüllt eine üppige Füllung, die sowohl süß, als auch salzig sein kann. Üblicherweise werden die handtellergroßen Küchlein zum Tee gereicht.

Mooncake-Mondkuchen

Früher war es Tradition, Mooncakes zu dieser Jahreszeit selbst zu machen. Aufgrund der aufwendigen Zubereitung werden sie heute allerdings nur noch von den wenigsten Familien selbst hergestellt. In asiatischen Supermärkten, bei Bäckern und nicht zuletzt auf Märkten gibt es längst eine großzügige Auswahl unterschiedlichster Sorten. Selten wird dabei allerdings für den Eigenbedarf eingekauft, denn der Grundsatz lautet: Mondkuchen verschenkt man – und lässt man sich schenken! In den Tagen rund um das Mondfest ist es Brauch, Mooncakes an sämtliche Personen im näheren Umfeld zu vergeben: An Familie, Freunde, Nachbarn und bei Gelegenheit sogar an Mitarbeiter und Geschäftspartner.

Die Füllungen von Mondkuchen variieren regional: Viele Provinzen haben im Laufe der Zeit ganz eigene, spezielle Sorten kreiert, welche aus der jeweiligen regionalen Esskultur und Tradition hervorgingen.

Die 5 größten Mooncake-Klassiker und ihre traditionellen Füllungen:

  • Süße Bohnenpaste: Gibt es in mehreren Varianten (z.B. schwarz, rot) und wird am häufigsten als Füllung für Mondkuchen verwendet.
  • Lotussamen-Paste: Wird aus getrockneten Lotussamen hergestellt und gilt allgemein als die delikateste aller Mooncake-Füllungen.
  • Fünf-Körner-Füllung: Das genaue Mischverhältnis der Nuss- und Samenarten variiert regional, typische Zutaten sind beispielsweise Sesam, Wassermelonensamen oder Erdnüsse.
  • Eigelb-Füllung: In der Mitte des Kuchens wird ein ganzes Eigelb platziert, welches den Mond darstellen soll.
  • Jujube-Paste: Eine süße, dunkelrote Dattelpaste.

Heute gibt es längst auch neue, aktuellen Foodtrends folgende Sorten. Hier 3 moderne Mooncake-Interpretationen:

  • Eis-Mondkuchen: Geformt wie der traditionelle Mooncake, aber vollständig aus Speiseeis. Besonders beliebt bei Kindern und Jugendlichen!
  • Meeresfrüchte-Mondkuchen: Das teuerste, was der Mooncake-Markt zu bieten hat. Feinschmecker lieben ihn aufgrund seines frischen, leicht salzigen Geschmacks und der exquisiten Zutaten.
  • Tee-Mondkuchen: Die Füllung wird hier durch die Zugabe von Tee verfeinert. Die beliebteste Kombination: Traditionelle Lotus-Samenpaste mit Tee.

Mythos Mondfest

Mehrere Legenden, Sagen und Märchen ranken sich heute um das Mondfest. Eine der bekanntesten, von welchen man sich abends, im gleißenden Licht des Vollmonds, gerne erzählt, ist die Legende von „Chang’e’s Aufsteigen zum Mond“…

Vor langer Zeit standen 10 Sonnen am Himmel, die beinahe alles Leben auf der Erde verbrannten. Dem mutigen Bogenschützen Hou Yi gelang es, neun Sonnen vom Himmel zu schießen – die Menschen waren gerettet. Die Himmelskönigin gab ihm daraufhin ein Fläschchen mit einem Elixier, welches ihn unsterblich machen sollte. Doch das Elixier konnte nur bei einer Person wirken und diese hinauf in den Himmel führen. Aus Liebe zu seiner Frau Chang’e trank er das Elixier nicht und bat sie, es für ihn zu verwahren. 

Eines Tages wollte sein Schüler Feng Meng das Unsterblichkeitselixier stehlen: Er drang in Hou Yis Haus ein und versuchte, Chang’e dazu zu zwingen, ihm das Elixier auszuhändigen. Im Gewissen, Feng Meng unterlegen zu sein und das Fläschchen nicht verteidigen zu können, trank sie es einfach selbst auf einen Satz aus! Daraufhin wurde sie unsterblich und schwebte immer höher und höher gen Himmel, bis sie schließlich auf dem Mond landete und dort einen Palast errichtete. Seither beten die Menschen zu Chang’e für Glück und Sicherheit und bieten ihr zum Dank Opfergaben am Tag des Mondfestes…

Wie feierst du Erntedank? Kennst du noch andere Traditionen und Bräuche? Erzähle uns davon in den Kommentaren, wenn du magst… 

Text: HONGi / Bilder: Gantas Vaičiulėnas, David Besh und Foto T

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