HONGi Interview: Schlafexpertin Brigitte Holzinger über die Geheimnisse unserer Träume

Hast du schlecht geschlafen? Albträume gehabt? Oder vielleicht bereits Schwierigkeiten beim Einschlafen? Unser Schlafverhalten ist sehr vielfältig und unsere Schlafgewohnheiten beeinflussen unser ganzes Leben. Denn ein guter Tag beginnt mit einem guten Schlaf. Doch was tun, wenn es mit dem erholsamen Schlaf nicht ganz so gut klappen will, wie man es sich wünscht? Dann sucht man sich Hilfe. Am besten bei Profis. Und solche findet man bei einem Institut, das den Namen „Österreichische Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung“ trägt.

Österreichische Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung (ÖGSM) ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft, die sich der Erforschung des Schlafes und seinen Störungen widmet. Zu den Vorstandsmitglieder gehört auch Frau Doktor Brigitte Holzinger, die es sich zur Lebensaufgabe machte, unsere Traum- und Schlafwelt zu erforschen. Ihre spannenden Erfahrungen teilte sie mit uns in einem Interview.

 

HONGi: Frau Holzinger, was führte zur Gründung der ÖGSM?

Brigitte Holzinger: ÖGSM wurde im Anschluss an eine internationale Tagung im Jahr 1991 gegründet. Bei dieser Tagung begegneten sich 6 Forscher und Forscherinnen, darunter auch ich. Zu dieser Zeit war die Schlafforschung im Aufschwung. Da war es wirklich notwendig einen solchen Verein in Österreich zu gründen. Um zu forschen, Ergebnisse zu teilen und die Öffentlichkeit zu informieren.

 

Was ist die Aufgabe der sogenannten Schlaflabore und was passiert dort?

Schlaflabore dienen der Diagnostik von Schlafstörungen. Bei einem Verdacht auf eine Schlafstörung verbringt der Patient eine Nacht in einem Schlaflabor. Dort wird er überwacht und auch am darauffolgenden Morgen werden zahlreiche Tests durchgeführt. Im Idealfall verbringt der Patient 2 bis 3 Nächte im Labor, denn die erste Nacht ist meistens nicht aussagekräftig. Wenn doch schon die erste Nacht gut ausgewertet werden kann, wird aus Kostengründen auf weitere Nächte verzichtet.

 

Ab wann spricht man von einer Schlafstörung und was sind die ersten Schritte in der Diagnostik?

Grob kann man sagen, dass jemand, der innerhalb eines Monats zumindest drei Mal pro Woche wirklich schlecht bis gar nicht schläft, sollte sich Hilfe suchen. Am besten wendet man sich an einen Schlafcoach. Mit diesem wird nach den Ursachen für den schlechten Schlaf gesucht. Wenn das Problem nicht in Griff zu bekommen ist, folgen weitere Untersuchungen bei Spezialisten.

 

Wie werden Schlafstörungen behandeln? Kann man sie gänzlich „heilen“?

Es hängt stark davon ab, um welche Schlafstörung es sich handelt. Wenn jemand an einer Schlafapnoe, bedingt durch starkes Übergewicht, leidet, kann es sein, dass die Apnoe verschwindet, wenn diese Person abnimmt. Man muss also alle Faktoren in Betracht ziehen, die auf Schlaf einen Einfluss haben könnten. Dann sind manche Störungen heilbar, oder zumindest gut behandelbar.

 

Zurück zum Schlafcoaching. Was kann man sich darunter vorstellen?

Ein Schlafcoach verfügt über viel Wissen zum Thema Schlaf und kann es auch gezielt einsetzen. Seine Aufgabe ist Menschen aufzuklären und diese zur Selbsthilfe zu animieren. Er trainiert sozusagen den Schlaf mit seinen Klienten. Er unterstützt den gesunden Schlaf durch verschiedene Übungen und lehrt Entspannungstechniken. Beim Schlafcoaching wird die Person als Ganzes betrachtet: seine Lebensumstände, Probleme und sein psychisches Wohlbefinden. Denn so ein Bild von einem Menschen lenkt meistens in die richtige Richtung und hilft den Schlaf zu verbessern.

 

Gibt es aktuell neue Erkenntnisse aus der Schlafforschung, die Sie gerne mit uns teilen möchten?

Es wird immer deutlicher, dass Schlafstörungen auch andere Krankheiten begünstigen; zum Beispiel durch die Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System. Ebenfalls ist der negative Einfluss der Schichtarbeit auf unseren Schlaf bereits bewiesen. Und die innere Uhr sollte man auch nicht außer Acht lassen.

 

Sie beschäftigen sich auch mit der Traumforschung. Wieso träumen wir eigentlich?

Einfach gesagt, träumen wir, um mit unserem Leben besser zurecht zu kommen. In nächtlichen Träumen verarbeiten wir unsere Emotionen und das Erlebte. Alles, was neu ist, wird ebenfalls in den Träumen behandelt. Träume können uns inspirieren aber auch warnen.

 

Worauf sollte man bei Träumen achten und was kann man aus eigenen Träumen ableiten?

Unsere Träume sind sehr individuell, man kann sagen, sie sind unsere Sinneseindrücke. Somit muss man sie auch sehr individuell behandeln. Oft weiß unser Unbewusstes besser, was uns gut tut oder was uns fehlt. Ich empfehle jeden Traum so detailliert wie möglich aufzuschreiben. Denn Träume werden schnell vergessen. Danach kann man diesen Traum immer wieder durchgehen und überlegen, worum es eigentlich geht. Denn die Bilder in einem Traum können auch für etwas anderes stehen, als es auf den ersten Blick aussieht.

 

Wieso können sich manche Menschen gar nicht an ihre Träume erinnern, während andere alles genau beschreiben können?

Ob wir uns an unsere Träume erinnern, hängt großteils davon ab, ob wir uns dafür überhaupt interessieren. Denn jeder Mensch träumt Nacht für Nacht. Allerdings ist es durchaus möglich, dass auch gewisse Prägungen oder Veranlagungen dafür verantwortlich sind, dass sich manche Menschen ihre Träume viel besser merken als andere.

 

Sie haben das Buch „Anleitung zum Träumen“ geschrieben. Können wir unsere Träume tatsächlich aktiv beeinflussen?

Absolut! Unsere Träume entstehen unbewusst. Doch auch das Unbewusste ist beeinflussbar. Durch Bilder und Gefühle, die tagsüber auf uns wirken. In meinem Buch zeige ich Wege auf, die uns helfen unsere Träume in den Alltag zu holen, sich besser an sie zu erinnern und sie als Wegweiser zu nützen. Auch das Erlernen von sogenannten Klarträumen wird darin erläutert.

 

Wir bedanken uns für das Interview und wünschen noch viele ruhige Nächte.

Text: HONGi / Bild: cocoparisienne

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