Matratzen früher und heute: Wie Viscoschaum das Stroh vertrieb

Du drehst dich im Bett hin und her, kannst nicht einschlafen. Deine Decke ist zu warm und dein Kopfkissen zu weich. Du verfluchst dein Bett und schaust verärgert auf die Uhr: „Wenn ich jetzt einschlafe, habe ich noch 6 Stunden Nachtruhe vor mir“, schießt dir durch den Kopf. Wer kennt diese Situation nicht? Saumüde und trotzdem hellwach.

Bevor du weiter dein Bett verfluchst, stelle dir folgende Situation vor: Du liegst auf einem Haufen von Palmzweigen oder auf einem Sack gefüllt mit Stroh. Klingt gar nicht so toll, oder? Aber so schliefen Menschen bevor Matratzen erfunden wurden. Manche hatten Glück und konnten Tierhäute aufeinander stapeln. Andere haben nur Heu verwendet. Wenn du das nächste Mal nicht einschlafen kannst, lies noch mal diese Zeilen über die Geschichte der Matratzen und sei dankbar! Denn schlimmer geht’s immer. 

Von Ziegenfell und Seidensäcken – antike Ursprünge des Schlafs

Im Jahr 3600 vor Christus wurde in Persien das erste Wasserbett aus Ziegenfell erbaut. Klingt nicht sehr einladend, oder? Dabei konnten sich diesen Luxus nur die ganz Reichen erlauben. Auch nicht besonders bequem klingt folgende Alternative: Sackartige Matratzen der Römer mit Schilf, Heu oder Wolle gefüllt. Wohlhabende Leute füllten Matratzen aus feinem Seidensack mit Daunenfedern. Man kann es drehen und wenden wie man will: Wer Geld hatte, konnte einfach besser schlafen.

Die Anfänge der modernen Matratze

Ab dem Mittelalter wurden die Matratzen abwechslungsreicher. Das Material der Säcke war vielfältiger und als Füllung wurden nur noch Daunenfedern genutzt. Viel kreativer waren Menschen im 16. und 17. Jahrhundert. Sie haben ein kistenartiges Bettgestell konstruiert und mit Stroh aufgefüllt. Klingt heute aber noch immer nicht bequem genug. Im 18. Jahrhundert waren Bezüge von angeblich guter Qualität aus Leinen und Wolle immer weiter verbreitet. Das war der Anfang von Matratzen aus mehreren Schichten. Damals wurden sie mit Knöpfen gemacht, damit man die Füllung auswechseln konnte. Klingt nach unserem HONGi-System, nur dass wir ohne Stroh und Knöpfe bestens zurecht kommen. Zum Glück.

Neue Ära der Matratzenherstellung

Im 19. Jahrhundert kam endlich der Durchbruch in der Matratzenherstellung. 1857 erschien die erste Federung aus Stahl, die zuerst in Sesseln und Sofas eingebaut wurde. 8 Jahre später folgten die Matratzen, doch wer jetzt an ein gemütliches Bett denkt, irrt sich gewaltig. Stahlfederungen klingen auch nicht besonders weich und so fühlten sich diese auch an. Runde Abdrücke am Rücken blieben bis Ende des Jahrhunderts. 

Im Jahre 1900 entwickelte ein gewisser James Marshall Wollbetten. Ihre Herstellung war besonders aufregend: Rohwolle wurde in Matratzen gefüllt und mit einem Stock durchgeschlagen, damit eine gerade Fläche entstehen konnte. Anschließend kam ein Bezug darauf und die Matratze wurde auf ein Boxspringbett oder auf eine Federung gelegt. Achtung, jetzt wird es unappetitlich: Ein großer Nachteil von Wollmatratzen war nämlich der Insektenbefall. Zahlreiche verseuchte Matratzen kamen auf den Markt. Diese besondere Erfahrung wurde zum Anlass genommen, um Gesetze zu ändern und für mehr Hygiene zu sorgen. Gott sei Dank!

Weg von tierischen Materialien

Nach den Würmern und Insekten wollte man nichts riskieren. So wurden 1930 Matratzen mit Taschenfederung immer beliebter. Beste Erfindungen sind aber oft zufällig: So tauchte während des Zweiten Weltkriegs Kaltschaum als Nebenprodukt der Rüstungsindustrie auf. Niedrige Kosten und einfache Herstellung machten ihn zum beliebten Material für Matratzen. Im Laufe der Jahre verbesserte sich auch die Qualität. Aber das war noch nicht alles! 

In den 50er Jahren verbreiteten sich Latexmatratzen auf dem Markt. Und im Jahre 1966 entwickelte NASA den Memoryschaum, auch Viscoschaum genannt. Ursprünglich wurde diese Technologie zur inneren Abdeckung von Raumschiffen gedacht. Wahrscheinlich, damit Astronauten weniger Beulen am Kopf kriegen, wenn sie unabsichtlich dagegen fliegen. Anfangs verbreitete sich Memoryschaum wegen der hohen Herstellungskosten nur langsam, mit der Zeit wurde er jedoch immer günstiger. So ist Memoryschaum heute eins der beliebtesten Materialien in der Matratzenherstellung.

Ursprung des Wortes „Matratze“

Es bleibt noch eine wichtige Frage zu klären: Woher stammt das Wort „Matratze“? Das Wort wurde von den Kreuzrittern nach Europa überliefert. Das ursprüngliche Wort „matrah“ kommt aus dem Arabischen und bedeutet so viel wie „Platz, wo etwas hingeworfen wird”. Klingt gut. Wir schmeißen uns jetzt ins Bett und denken darüber nach, wie es wäre auf einem Ziegenfell-Wasserbett zu schlafen. Es leben die modernen Matratzen!

Text: HONGi / Bild: wayX

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