Ahnungslos durch die Nacht: Erstaunliche Fakten über das Schlafwandeln

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Ausgestreckte Arme, geschlossene Augen, unsicherer Gang, langes, weißes Nachthemd, womöglich noch eine Zipfelmütze: So stellen wir uns Schlafwandler vor. Am besten im Mondschein spazierend und auf einem Dach balancierend. Ein wenig unheimlich, dennoch harmlos… Es gibt zahlreiche Mythen rund um das Schlafwandeln und viele Forscher beschäftigten sich bereits seit langem mit diesem Thema. Heute räumen wir mit Mythen auf und schauen uns die unbewussten nächtlichen Spaziergänge mancher Menschen genauer an.

Warum schlafwandeln wir? Wieso können wir uns nicht daran erinnern? Warum reagieren wir nicht auf unsere Mitmenschen und lassen uns nicht wecken? Unzählige Fragen, die sich auch die Wissenschaft schon längst gestellt hat…

 

Halbschlafend – halbaktiv

Früher wurde die Anziehungskraft des Mondes für das Schlafwandeln verantwortlich gemacht. Man sprach davon, dass jemand „mondsüchtig“ sei. Heute wissen wir, dass diese Annahme falsch ist und das Zusteuern auf den Mond durch seine Helligkeit zu erklären ist. Ist es heller, sieht man nachts besser. Somit folgt ein Schlafwandler gerne mal einer Lichtquelle.

Die Ursache fürs Schlafwandeln ist also nicht der Mond: Schlafwandeln entsteht vermutlich, wenn das Gehirn nur teilweise aus dem Tiefschlaf erwacht. Das heißt, dass bei Schlafwandlern nur Teile des Gehirns eine Aktivität wie im Wachzustand zeigen, während andere das klassische Schlaf-​EEG aufweisen. Dies konnte bei Studien mit tiefen Hirnelektroden nachgewiesen werden. Moderne Untersuchungen im Schlaflabor zeigten also, dass das Schlafwandeln nicht während des REM-Schlafs (der Phase, in der wir intensiv träumen) passiert, wie früher vermutet wurde, sondern während des Tief- oder Normalschlafs.

Schlafwandeln ist aber nicht nur das typische Herumlaufen in der Nacht. Es gibt noch andere sogenannte Non-​REM-​Parasomnien, also Unterbrechungen des Tiefschlafs durch ungewöhnliche Verhaltensweisen. Dazu gehört beispielsweise der sogenannte Nachtschreck – also ein nächtliches Aufwachen mit Herzrasen, begleitet oft von einem Schreien. Oder das verwirrte Erwachen, wenn der oder die Betroffene im Bett sitzt, um sich herum schaut, verwirrt wirkt und sich am nächsten Tag daran nicht erinnern kann. Bei diesen Schlafunterbrechungen bleiben die Betroffenen allerdings im Bett. Nur beim Schlafwandeln stehen sie auf und können verschiedene Handlungen ausführen.

 

Schlafwandeln und seine Symptome

Beim Schlafwandeln lassen sich die Personen kaum aufwecken und sind oft einer Gefahr ausgesetzt, da sie auf äußere Reize nicht reagieren. Da kann es schon mal passieren, dass man im Schlafwandeln kocht und sich dabei schwer verbrennt… Ja, auch Autofahrer gab es schon unter den Schlafwandlern.

Schlafwandeln ist also gar nicht so ungefährlich, wie man denkt und kann sogar auf Erkrankungen des Gehirns hindeuten. Somit sollte man beim Schlafwandeln unbedingt einen Arzt aufsuchen. Die typischen Symptome eines Schlafwandlers sind:

Vollmond Schlafwandeln

  • Auftreten des Schlafwandelns im ersten Drittel des Schlafes
  • Offene Augen, starrer Gesichtsausdruck
  • Automatisierte Handlungen wie das Kochen, oder Putzen
  • Verminderte Koordinierung und Orientierung
  • Keine Reaktion auf Ansprache
  • Selten auch ein aggressives Verhalten
  • Keine Erinnerungen an die Geschehnisse am nächsten Morgen

Begegnest du einem Schlafwandler, solltest du nicht versuchen ihn zu wecken, sondern ihn sanft wieder ins Bett führen. Er wird weiter schlafen und am nächsten Tag von seinem Ausflug nichts mehr wissen. Sollte er nicht ins Bett gehen wollen, ist es besser, ihm aus dem Weg zu gehen. Schlafwandler können in seltenen Fällen aggressiv werden, wenn man sie stoppen will. 

Hast du schlafwandelnde Kinder, solltest du unbedingt für Sicherheit sorgen und schauen, dass sich die Kleinen nicht verletzen können. Übrigens: Gerade bei Kindern und Jugendlichen verschwindet das Schlafwandeln oft von alleine wieder.

 

Kuriose Fakten und unglaubliche Geschichten

Ja, das Schlafwandeln ist noch immer nicht ausreichend erforscht und vor allem kann man kaum etwas dagegen tun. Schauen wir uns aber kurz noch diese Fakten an, die das Schlafwandeln betreffen: 

  • Kinder erleben viel häufiger Non-​REM-​Parasomnien als Erwachsene. Warum das so ist, konnte noch nicht endgültig geklärt werden. Allerdings verschwinden diese häufig nach dem Kindesalter, Forscher vermuten deshalb, dass es sich um ein Phänomen des noch reifenden Gehirns handelt.
  • Unter Erwachsenen sind nur vier Prozent von Schlafwandeln und anderen Aktivitäten im Tiefschlaf betroffen.
  • Schlafwandeln scheint genetisch bedingt zu sein: 80 Prozent der Schlafwandler haben einen weiteren Schlafwandler in der Familie.
  • Die im Volksmund bekannte „schlafwandlerische Sicherheit“ existiert nicht. Schlafwandler können sich sehr wohl verletzten.
  • Die Dauer einer Schlafwandel-Episode kann von wenigen Sekunden, über Minuten, bis hin zu Stunden reichen.

Wenn die Erwachsenen schlafwandeln, kann es zu spannenden Geschichten kommen, die uns richtig staunen lassen… 

  • Eine Zeitungsausträgerin im deutschen Oberstdorf im Allgäu hatte nachts um 3.00 Uhr einen völlig durchgefrorenen irischen Touristen entdeckt, der sich bei seinem unfreiwilligen Ausflug aus seiner Ferienunterkunft ausgesperrt hatte.
  • Eine Frau in Bremen fand eines morgens einen Fremden in ihrem Haus – barfuss und in Boxershorts. Ein junger Mann sei ihr zugelaufen, erklärte die 79-Jährige der Polizei. Wie er in das Haus gekommen war? Er hatte keine Ahnung. Der 25-Jährige konnte sich nur daran erinnern, dass er abends mit seinem Vater einen Film angeschaut hatte.
  • Ganz schön gefährlich war das Erlebnis des Abenteurers David Hempleman-Adams. Als er im Frühsommer 2000 zum Nordpol reiste, wollte er im Schlaf aus dem Korb eines Freiballons aussteigen: 1300 Meter über der Arktis. Sein Glück war, dass er mit einem Sicherheitsgurt angeschnallt war…
  • Aufsehenerregend war der Fall eines Kanadiers. 1987 hatte der damals 23-Jährige seine Schwiegermutter erstochen und ihren Ehemann mit einem Messer verletzt. Er wurde vor Gericht vom Vorwurf des Mordes freigesprochen, da Schlafmediziner beweisen konnten, dass er unter Schlafwandeln litt. Aktuell soll es 4 bestätigte Fälle von Morden während des Schlafwandelns geben! 
  • Der Koch Robert Wood aus Schottland stand vier bis fünf Mal die Woche im Tiefschlaf am Herd. Seine Frau beobachtete ihn: Er habe schon Omelettes gebraten, Spaghetti gekocht und die Fritteuse angeworfen. Das Essen sah laut ihr hervorragend aus, gekostet hat sie es trotzdem lieber nicht.

 

Text: HONGi / Bilder: Greg Rakozy und Altınay Dinç

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