Dem Betthupferl auf der Spur

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Nur noch ein kleines, feines Betthupferl – und dann ab ins Bett. Bloß: Sollst du es nur anschauen, sofort vernaschen… oder gar in ihm lesen? 

„Betthupferl“ ist nicht gleich „Betthupferl“. Zwar sind viele von uns mit einem aufgewachsen, nicht immer handelt es sich dabei allerdings um dasselbe. Sicher ist lediglich, dass das Betthupferl müden, möglicherweise quengeligen Kindern – und ja, auch ihren Eltern – seit langer Zeit das Zu-Bett-gebracht-werden oder das Zubettgehen erleichtert. Die Frage ist nur: Wie?

Wer oder was ist denn nun ein „Betthupferl“? Wie bringt es Groß und Klein dazu, jeden Abend mit Freude ins Bett „zu hüpfen“? Wir begeben uns auf abenteuerliche Spurensuche…

Bayrische Wurzeln

Heute verstehen wir unter einem „Betthupferl“ ein angenehmes Ritual vor dem Zubettgehen: Alles, was abends, unmittelbar vor dem Schlafengehen, Freude macht, darf mit der liebevollen Bezeichnung versehen werden.

Mittlerweile im gesamten deutschen Sprachraum verbreitet, hat der Begriff „Betthupferl“ seine Wurzeln ursprünglich in Bayern. Diese Wurzeln allerdings hatten mit „Freuden vor dem Schlafengehen“ so gar nichts zu tun – ganz im Gegenteil. Das Wort „Betthupferl“ stammt von dem Begriff „Betthupfer“ ab: Eine scherzhafte Bezeichnung für (Bett-) Flöhe!

Später wurde die begriffliche Bedeutung ausgeweitet: Mit „Betthupfer“ oder „Betthupferl“ benannte man fortan allgemein sämtliche Dinge, die man unerwartet im eigenen Bett vorfand. Eben alles, was einem völlig unvorbereitet „ins Bett hüpft“…

Mit den Jahren hat sich die Bezeichnung „Betthupferl“ schließlich vorrangig für kleine, abendliche Naschereien, sowie als Überbegriff für Gute-Nacht-Geschichten, etabliert.

Schokolade zum Schlafengehen?

Noch etwas kleines, feines Süßes und dann ab ins Bett! Solche und ähnliche „zuckersüße“ Kindheitserinnerungen hegen viele. Kein Wunder, ist das schokoladige Betthupferl als Gute-Nacht-Gruß doch seit Jahrzehnten eine von Generation zu Generation weitergereichte Tradition!

Der exakte Zeitpunkt, ab welchem das Wort „Betthupferl“ seine süße Bedeutung erlangte, kann nicht genau festgemacht werden. Es gilt allerdings als gesichert, dass sich der Begriff im Laufe des 19. Jahrhunderts als Bezeichnung für kleine Süßigkeiten, welche Kindern vor dem Zubettgehen gereicht werden, etablierte.

Kindern sollte damit das Schlafengehen erleichtert – „versüßt“ – werden. Das Konzept dahinter war von Beginn an ein denkbar simples, doch ausgesprochen wirksames: Wer abends nicht protestiert und brav zu Bett geht, darf sich über eine kleine, süße Belohnung freuen. Zudem nahm man an, der Genuss von Schokolade würde Kindern dabei helfen, sich zu beruhigen und zu entspannen.

Betthupferl-Schokolade

Der berühmteste Vertreter der süßen Betthupferl stammt zweifelsohne aus Österreich. In den späten 1950er Jahren erkannte der traditionsreiche, österreichische Süßwarenhersteller „Pischinger“ das Potenzial dieses beliebten, abendlichen Rituals und machte daraus kurzerhand eine eigene Süßigkeit. So entstand 1958 das legendäre „Betthupferl“: Nusskrokant auf Waffelboden, überzogen mit Schokolade. Bis heute erfreut sich die berühmte Nascherei – nach wie vor laut Originalrezeptur hergestellt – ungebrochener Beliebtheit bei Groß und Klein.

Im Laufe der Jahrzehnte sollten ihm unzählige Hersteller im gesamten deutschsprachigen Raum folgen: Das Angebot an „speziellen“ Betthupferl-Süßigkeiten – wenn auch nicht immer unter diesem Namen – wurde immer größer. Auch Hotels gingen mehr und mehr dazu über, den schokoladigen Gruß, welchen man für Gäste auf Kopfpolstern deponiert, als „Betthupferl“ zu bezeichnen.

Bei aller Nostalgie allerdings gilt das Konzept „Schokolade zum Schlafengehen“ heute durchaus als stark umstritten. Tatsächlich ist der Schokogenuss unmittelbar vor dem Zubettgehen, insbesondere für Kinder, als eher ungünstig einzustufen – Zähneputzen hin oder her. Wie man herausfand, stellt sogenanntes „Theobromin“ den Hauptinhaltsstoff der Kakaobohne dar: Eine organische Verbindung, welche mit Koffein strukturverwandt ist und eine vergleichbar anregende Wirkung auf das Nervensystem hat.

Ungeachtet wissenschaftlicher Gegenargumente schreibt sich die süße „Gute-Nacht-Erfolgsgeschichte“ jedoch wie von Zauberhand auch weiterhin um Kapitel und Kapitel weiter: Längst sind im Handel „gesunde“, dem Zeitgeist entsprechende Alternativen wie beruhigende Betthupferl-Teemischungen oder zuckerarme, natürliche Fruchtgummis erhältlich. Frei nach dem Motto: Süßer Abendgruß, süße Träume…

Übrigens! Im Schweizerischen werden süße Betthupferl als „Bettmümpfeli“ bezeichnet.

Betthupferl „on air“

Nicht nur aus dem Naschregal, auch aus den Medien ist das „Betthupferl“ vielen wohlbekannt! Der Name „Betthupferl“ war im deutschsprachigen Raum immer wieder als Titel unterschiedlicher Hörfunk- und Fernsehformate in Gebrauch.

Das bekannteste Format stammt aus dem bayerischen Rundfunk (BR). Seit 1953 ist dort die Kinderradiosendung „Betthupferl“ im Programm – und ist damit die älteste Sendung des BR! Ins Leben gerufen wurde sie von Candida Franck, der ersten Kinderfunkleiterin des BR. Dieser hieß zum damaligen Zeitpunkt noch „Radio Munich“ und war in Besitz amerikanischer Soldaten. Entstanden bereits 1948, musste Franck jahrelang um einen fixen Sendeplatz kämpfen, ehe sie ab 1953 jeden Abend mit dem „Betthupferl“ auf Sendung gehen durfte. Seither bietet die beliebte Kindersendung kleine, kindgerechte Kurzgeschichten, Gedichte und Märchen. Bis heute wird sie von Montag bis Samstag auf dem Sender Bayern 2, sowie von Montag bis Freitag und sonntags auf Bayern Heimat gesendet.

(Unter Candida Francks Kinderfunkleitung wurde nur wenige Jahre nach Start des „Betthupferls“ auch der berühmte „Pumuckl“ von Ellis Kaut kreiert.)

Auch in Österreich war das Betthupferl jahrelang Stammgast – sowohl im Radio, als auch im TV-Programm:

  • Ab Mitte der 1960er Jahre bis Mitte der 1980er wurde im Vorabendprogramm des ORF (damals „FS1“) die Kindersendung „Betthupferl“ gezeigt: Kindgerechte Kurzfilme von etwa vier Minuten Länge, meist Zeichentrick oder Puppentheater.
  • Der österreichische Radiosender FM4 hatte Anfang der 2000er eine gleichnamige Sendung im Programm: Das „FM4 Betthupferl“. Hierbei handelte es sich allerdings weniger um eine Kindersendung, als viel eher um ein Format für jugendliche oder erwachsene Hörer.

Wer oder was ist dein liebstes Betthupferl? Teile deine Erinnerungen mit uns, indem du hier einen Kommentar hinterlässt. Wir freuen uns auf einen Austausch – und ein bisschen Nostalgie…

Text: HONGi / Bilder: Olya Kobruseva und Elli

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